direkt zum Inhalt zur Hauptnavigation zur Bereichsnavigation
Und täglich grüßt die Wissenschaft
05.04.2007

Schulbuch als Schlüssel zum Herzen

Diese Seite empfehlen Empfehlen
Diese Seite ausdrucken Drucken
RSS Feed RSS Feed

Schulbücher
als Spiegel der deutsch-polnischen Beziehungen sind Mittelpunkt einer Ausstellung des Braunschweiger Georg-Eckert-Instituts.

Glosse

Es liegt in der Natur von kleinen Jungs, dass sie kritische Zeitgenossen sind. Der schlitzohrigen Frage "Wozu sind eigentlich Schulbücher gut?" ein schnörkelloses "Weil sie klug machen" entgegenzusetzen, zieht nicht. Die gut gemeinte Antwort prallt an ihrem kindlichen Panzer aus Argwohn gegenüber allem pädagogisch Wertvollen ab.
Wer seinen Jungen vom Sinn von Schulbüchern überzeugen will, muss sich eine ausgeklügelte Taktik einfallen lassen - und ihn damit überraschen, dass "die Bücher der Schlüssel sind zum Herzen des kleinen rothaarigen Mädchens in der dritten Reihe, das du so gern hast". Schulbücher haben unzählige Techtelmechtel heraufbeschworen, indem Jungs den Umschwärmten zwischen den Rechentürmen auf Seite 39 ein "Du, ich mag dich irgendwie" kritzelten (mit Bleistift); sie ihnen die schweren Wälzer aufopferungsvoll nach Hause trugen; und sie dem Klassenfiesling die Bücher heldenhaft abjagten, die dieser der Angebeteten aus dem Ranzen klaute, weil er seine eigenen mal wieder vergessen hatte.
Um Beziehungen geht es auch dem Braunschweiger Georg-Eckert-Institut mit seiner Ausstellung "Schulbücher im Fadenkreuz von Wissenschaft und Politik: 35 Jahre Gemeinsame deutsch-polnische Schulbuchkommission". Bis 6. Mai liefern die Schulbuchforscher im Braunschweigischen Landesmuseum Antworten, wie deutsche und polnische Unterrichtsmaterialien die Beziehungsgeschichte beider Länder beschreiben und wie sich die Darstellung im Laufe der Zeit verändert hat.
Welchen Wert das Schulbuch für die eigene Beziehungsgeschichte hat - das allerdings muss jeder für sich selbst beantworten.
(boy)



Fakten

Nach vierwöchigem Aufenthalt in Berlin wird die Ausstellung vom 29. März bis 6. Mai in Braunschweig im Rahmen "Stadt der Wissenschaft" und "Jahr der Geisteswissenschaften" gezeigt. Der etwas militaristisch anmutende Titel kommt nicht von ungefähr. Schließlich wurde die Gemeinsame deutsch-polnische Schulbuchkommission in Zeiten des Kalten Krieges am 22. Februar 1972 in Warschau gegründet. Ihre Arbeit war immer im Visier unterschiedlicher politischer und gesellschaftlicher Gruppen. Dass diese Gründung überhaupt möglich war, ist neben der Ostpolitik Willy Brandts, der die Kommission auch persönlich unterstützte, nicht zuletzt der Initiative Georg Eckerts und seiner polnischen Partner auf UNESCO-Ebene geschuldet.
Die Tätigkeit der Kommission gehört zu den Erfolgsgeschichten der deutsch-polnischen Annäherung. Seit ihren Anfängen nutzten Hunderte von Wissenschaftlern - unter ihnen die besten ihrer Fächer - dieses Forum zum geistigen Austausch und zur gemeinsamen Arbeit an wissenschaftlichen Themen. Sie verfassten Empfehlungen zur Verbesserung der Schulbücher beider Länder in den Fächern Geschichte und Geographie und erarbeiteten Lehrmaterialien für die Schule.
Die Ausstellung stellt zweisprachig und multimedial wichtige Etappen des deutsch-polnischen Schulbuchdialogs vor. Sie zeigt, wie stark sich die Darstellung der deutsch-polnischen Beziehungen in den Schulbüchern auf beiden Seiten verändert hat, und macht gleichzeitig deutlich, dass für die Kommission auch in Zukunft noch eine Menge zu tun bleibt.

Kostenlose Führungen für Schulklassen auf Anfrage.
Öffentliche Führung: Sonntag, 22. April, 11:15 Uhr
(boy)



Kontaktinformationen

Name: Verena Radkau García, M.A.
Institution: Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung
Adresse: Cellerstraße 3
38114 Braunschweig
Telefon: 0531/59099-54
WWW: http://www.gei.de
E-Mail:
© Stadt Braunschweig | Impressum