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Und täglich grüßt die Wissenschaft
30.08.2007

Mit rotem Licht auf graue Zellen

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"Mit rotem Licht auf graue Zellen"
heißt das Motto von Wissenschaftlern der PTB. Sie können mit nahinfrarot-spektroskopischen Messungen die Gehirndurchblutung beobachten.

Glosse

Ein bisschen Erleuchtung kommt eigentlich immer gut an, und auch wer als "ganz schön helle" bezeichnet wird, muss sich wohl in keinem Fall schämen. Seltsam nur, dass sich diese illuminierenden Ausdrücke auf einen eher dunklen Winkel des Körpers beziehen: Das Gehirn. Außer überirdischen Mächten können hier in der Regel nur Mediziner Licht ins Dunkel bringen. Zum Beispiel mit einer neuen, viel versprechenden Methode, an der Forscher der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt arbeiten. Sie gehen mit Nahinfrarot-Licht auf die grauen Zellen los. Die roten Blutkörperchen, die in der Denkzentrale unterwegs sind, schlucken dieses Licht. Und je dichter der Blutkörperchenverkehr, desto mehr Licht wird geschluckt. Wie viel Licht dabei auf der Strecke bleibt, können die Forscher herausfinden, indem sie das Licht messen, das aus dem Kopf wieder nach außen gelangt. Mit solchen Messungen, die direkt am Krankenbett gemacht werden können, soll zum Beispiel die Gehirndurchblutung von Schlaganfallpatienten überwacht werden. Das Nahinfrarot-Licht, mit dem die Wissenschaftler arbeiten, richtet übrigens im Gegensatz zu Röntgen- oder UV-Strahlen im Körper keinen Schaden an. Strahlenschutzmaßnahmen sind also bei dieser Art der Erleuchtung nicht erforderlich. (ah)



Fakten

Wissenschaftler der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) entwickeln optische Methoden, um die Durchblutung des Gehirns zu messen. Damit könnte zum Beispiel die Gehirndurchblutung von Schlaganfallpatienten überwacht werden. Die Forscher leuchten dabei mit so genanntem "Nahinfrarot(NIR)-Licht" in den Körper, das bis zu sechs Zentimeter dickes Gewebe durchdringen kann und anders als etwa Röntgenstrahlung völlig harmlos ist. Dennoch liefert es wichtige Informationen über Gewebefunktionen, denn es wird vor allem von den roten Blutkörperchen geschluckt. "Wir messen, wie viel Licht absorbiert wurde und können so zum Beispiel feststellen, wie gut das Gewebe durchblutet und mit Sauerstoff versorgt ist", sagt die PTB-Wissenschaftlerin Heidrun Wabnitz, die das Projekt leitet. Mit einem Kontrastfarbstoff konnten die Forscher die Aussagekraft dieser Messmethode noch steigern. Auch wenn manche Mechanismen noch nicht verstanden sind, haben erste Untersuchungen an einigen Schlaganfall-Patienten bereits viel versprechende Ergebnisse gebracht. Grund genug für das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), eine klinische Studie zu fördern, in deren Rahmen die PTB-Forscher das Verfahren gemeinsam mit der Charité Berlin und Warschauer Wissenschaftlern testen werden. (ah)



Kontaktinformationen

Name: Dr. Heidrun Wabnitz
Institution: Physikalisch-Technische Bundesanstalt
Adresse: Abbestr. 2-12 10587 Berlin
Telefon: 030/348117293
WWW: http://www.ptb.de
E-Mail:
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