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Und täglich grüßt die Wissenschaft
26.10.2007

Einkaufen ist Weiberkram? Von wegen!

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54 Prozent
- der jungen Männer lieben es, Kleidung einzukaufen. Joachim Hurth von der FH Braunschweig/Wolfenbüttel hinterfragt Klischees über Männer und Frauen beim Shopping.

Glosse

Na bitte. Sie verstehen es doch, wenn sie sich Mühe geben. Die Frühlingsmode ist für die moderne Frau das, was die heidnischen Opferrituale für die alten Griechen waren, wusste der Philosoph Roland Barthes, immerhin ein Mann. Die Modenschau als Prozession vor verzückten Jüngerinnen, der Schlussverkauf als wildes Schlachtopfer. Das hat Stil. Wer unkt da, Konsum wäre sinnlose Zeitverschwendung? Solche Vorurteile lassen Männer behaupten, Weiberkram wie Shoppen interessiere sie nicht. Joachim Hurth vom Fachbereich Wirtschaft an der Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel hat nachgehakt. Siehe da: 54 Prozent der befragten jungen Männer kaufen gerne Klamotten, 82 Prozent geraten im Elektronikmarkt in Verzückung - gegenüber 85 Prozent glücklicher Frauen in Modeboutiquen bedeutet das fast Gleichstand. Im Lebensmittelladen lassen sich kaum Unterschiede ausmachen: Beide Geschlechter sind heute gestresst und wollen es so bequem wie möglich haben. Je mehr eine Frau beruflich eingespannt ist, desto eher verhält sie sich wie ein typischer Mann: Gezielte Jagd statt wählerischen Beutesammelns. Noch mehr, als Männer und Frauen in Befragungen preisgeben, erfährt man, wenn man sie im Laden beobachtet: ihre Wege aufzeichnet, die Verweildauer stoppt, zärtliche Berührungen mit der Ware protokolliert. Daran arbeitet Hurth derzeit. Denn anders, als die Stammtische glauben, gibt es zu dem Thema bisher kaum wissenschaftliche Daten. Seien wir gespannt auf das Schlachtfest der Männer am Wühltisch. (abe)



Fakten

Jäger contra Sammlerin

Jeder glaubt, es genau zu wissen: Frauen kaufen ständig Schuhe. Sie trödeln im Geschäft herum, probieren aus und kaufen dann doch nichts - oder etwas ganz anderes, als sie eigentlich wollten. Natürlich geben sie viel mehr Geld aus als Männer. Doch für viele dieser Klischees gibt es ganz banale Erklärungen, sagt Joachim Hurth, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel: Kleidung für Frauen ist zum Beispiel einfach teurer. Und da in Partnerschaften für den Haushalt immer noch meistens Frauen zuständig sind, ist ganz klar, dass sie im Supermarkt mehr und wählerischer einkaufen.
Bisher gibt es kaum wissenschaftliche Untersuchungen, die die verbreiteten Vorurteile überprüfen. Das möchte Hurth ändern. Zunächst hat er seine Studierenden befragt. Wenn man nach Läden und Warengruppen unterscheidet, zeigt sich ein differenziertes Bild: Während 85 Prozent der Frauen gerne Kleidung kaufen, hegen 82 Prozent der Männer eine ebensolche Leidenschaft für Unterhaltungselektronik. Grundsätzlich allerdings stimmt es, dass Frauen lieber shoppen gehen und weniger gezielt suchen als Männer. Wer hier allerdings gleich festgeschriebene Muster aus der Steinzeit ausmacht wie "der zielstrebige Jäger" und "die wählerische Sammlerin", der sollte sich auch das Verhalten der Geschlechter im Supermarkt ansehen: Hier haben es beide am liebsten bequem. Je gestresster im Beruf, desto gezielter wird eingekauft - von Männern wie von Frauen.
Da beim Einkaufen viele Prozesse unbewusst ablaufen, geben Beobachtungen von Kunden zuverlässiger Auskunft als Befragungen. Deswegen verfolgen Joachim Hurth und seine Studierenden derzeit Kunden mit dem Klemmbrett im Anschlag. Sie zeichnen ihre Wege auf, stoppen die Verweildauer, protokollieren das Anfassen und Anprobieren der Ware und Kontakte mit dem Verkaufspersonal. "Die Kunden sind so mit sich selbst beschäftigt, dass sie nichts mitbekommen, bis die Forscher sie ansprechen", versichert Hurth. (abe)



Kontaktinformationen

Name: Prof. Dr. Joachim Hurth
Institution: Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel, Fachbereich Wirtsxchaft
Adresse: Robert-Koch-Platz 10-14 38440 Wolfsburg
WWW: http://www.fh-wolfenbuettel.de
E-Mail:
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